Indonesien ist eine der vielfältigsten Nationen der Erde. Verteilt über mehr als siebzehntausend Inseln leben über dreihundert Ethnien, die rund siebenhundert Sprachen sprechen. Was dieses gewaltige Mosaik zusammenhält, ist ein einziger nationaler Leitspruch, eingraviert im Staatswappen: Bhinneka Tunggal Ika — Einheit in Vielfalt. Daneben steht Pancasila, die fünf Grundprinzipien, die den Glauben an Gott, die Menschlichkeit, die nationale Einheit, die Demokratie und die soziale Gerechtigkeit als gemeinsames Fundament der Republik anerkennen.
Ein Land vieler Glaubensrichtungen
Indonesien beherbergt die größte muslimische Bevölkerung aller Länder der Welt, und der Islam prägt den Rhythmus des Alltags in weiten Teilen Sumatras, Javas und darüber hinaus, vom morgendlichen Gebetsruf bis zu den großen Festen des Idul Fitri. Doch Indonesien ist offiziell multireligiös und erkennt sechs Glaubensrichtungen an.
- Islam — der mehrheitliche Glaube, mit eigenen lokalen Traditionen gelebt.
- Hinduismus — blühend auf Bali als Agama Hindu Dharma.
- Buddhismus — mit Wurzeln, die bis zum großen Tempel Borobudur reichen.
- Christentum — stark auf Flores, im Toraja-Land, in Nordsumatra und den östlichen Inseln.
- Konfuzianismus — unter den chinesisch-indonesischen Gemeinschaften.
Die balinesische Welt
Bali ist eine hinduistische Insel in einer mehrheitlich muslimischen Nation, und ihre Religion — Agama Hindu Dharma — färbt jeden Augenblick des Lebens. Kleine Opfergaben aus Blüten und Reis erscheinen jeden Morgen auf den Türschwellen; Tempelzeremonien füllen den Kalender. Am eindrucksvollsten ist Nyepi, der Tag der Stille zum balinesischen Neujahr, wenn die ganze Insel stillsteht — kein Verkehr, keine Arbeit, kein Licht, sogar der Flughafen schließt einen ganzen Tag zur Besinnung. Das Fest Galungan feiert den Sieg des Guten über das Böse, wenn hohe Bambusstangen namens Penjor über jede Dorfstraße ragen.
Batik, Wayang und Gamelan
Nur wenige Kunstformen sind so zutiefst indonesisch wie Batik, die Wachsreserve-Färbetechnik, die 2009 von der UNESCO als Meisterwerk des immateriellen Kulturerbes anerkannt wurde. Jede Region hat ihre eigenen Motive, und der Batik-Tag wird im ganzen Land gefeiert.
Ebenso kostbar ist Wayang Kulit, das Schattenpuppentheater Javas und Balis, ebenfalls von der UNESCO eingeschrieben. Ein einziger Dalang (Puppenspieler) kann die ganze Nacht spielen und Dutzenden Figuren aus Ramayana und Mahabharata seine Stimme leihen, während ein Gamelan-Orchester aus Bronzegongs und Metallophonen hinter der Leinwand schimmernde, hypnotische Musik webt.
Der Tanz der Inseln
Tanz ist eine lebendige Sprache im gesamten Archipel. Balis feuriger Kecak, aufgeführt von einem singenden Kreis aus Dutzenden Männern, und der anmutige Legong sind weltberühmt, während Acehs Saman — ein faszinierender Sitztanz aus synchronem Klatschen und Wiegen — ein weiterer von der UNESCO gelisteter Schatz ist.
Toraja und die Riten des Lebens
Im Hochland von Sulawesi ist das Volk der Toraja für aufwendige Begräbniszeremonien bekannt, die tagelang dauern und ganze Gemeinschaften anziehen können. Die Toten ruhen in aus Felsen gehauenen Gräbern, bewacht von hölzernen Bildnissen, und das Begräbnis ist weniger ein Moment der Trauer als eine große Feier eines Lebens. Über die Inseln hinweg halten die Ikat-Weberei und die als Adat bekannten Gewohnheitsrechte die Traditionen der Ahnen lebendig.
Vielfalt als Identität
Was Indonesien bemerkenswert macht, ist nicht eine einzelne Tradition, sondern die Art, wie so viele nebeneinander bestehen. Ein Reisender kann im Morgengrauen den Gebetsruf hören, mittags eine hinduistische Prozession sehen und nachts ein Schattenspiel besuchen — alles auf einer Reise, alles unter dem Banner der Einheit in Vielfalt.